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Limoges - Ehingen



Mit Pauken und Trompeten nach Limoges

Der Busfahrer des Busunternehmens Bottenschein staunte nicht schlecht, als sich am Freitag, den 23.3.2011, Chor und Orchester des Johann-Vanotti-Gymnasiums  und Schüler und Schülerinnen der 7. und 9. Klassen zur Abfahrt nach Limoges aufmachten. Die Koffer und Taschen wären leicht zu verstauen gewesen, aber wohin mit den zahlreichen Musikinstrumenten und vor allem den drei Pauken? Doch sie mussten unbedingt eingeladen werden, denn Chor und Orchester unter Leitung der Musiklehrer  Peter Schlenker und Michael Steidle wollten in Limoges mit dem Chor des Collège Limosin und seiner Leiterin Dominique Vernaudun die „Messe Solennelle de Sainte Cécile“ von Charles Gounod aufführen.

 

Bereits im Dezember war die Gruppe aus Limoges in Ehingen und hatte beim Weihnachtskonzert in Untermarchtal mitgewirkt. Dem Gegenbesuch vom 23. Bis 31. März schloss sich nun Gabriele Volgnandt mit 17 Französisch-Schülern an, die zeitgleich an einem Austausch mit dem Collège André Maurois in Limoges teilnahmen, den die dortige Deutschlehrerin Françoise Pécout organisierte. Nach einer musikalischen Begegnung im Jahre 2004 und dem letzten Schüleraustausch 2007 hatten frankreichinteressierte Schüler damit in diesem Jahr wieder einmal die Möglichkeit, ins Limousin zu reisen. Höhepunkt des Aufenthalts in Limoges war der gemeinsame Besuch des Konzerts in der gotischen Église St.-Michel des Lions, mit dem sich Dominique Vernaudun in ihren wohlverdienten Ruhestand verabschiedete – sehr zum Bedauern ihrer deutschen Kollegen, die darauf hoffen, mit einem Nachfolger  oder einer Nachfolgerin den Austausch fortsetzen zu können. Neben der Vorbereitung auf das Konzert unternahmen Chor und Orchester auch eine Exkursion ins Périgord, nach Rocamadour.  Auch ein Besuch im Four des Casseaux bzw.  der Besuch einer Porzellanmanufaktur in der Stadt der „Arts des Feux“, der Hauptstadt des Emails und des Porzellans, gehörten für Musiker und Französischlernende zum Programm.

 

Françoise Pécout und Gabriele Volgnandt setzten bei der Planung ihres ersten Austauschprogramms vor allem auf die zwischenmenschlichen Begegnungen zwischen deutschen und französischen Schülern und die Entdeckung einer Region. So trafen sich die Schüler gleich am Samstagnachmittag zum gemeinsamen Kennenlernen und Schlittschuhlaufen in der Eishalle, bevor sie dann am Montag ihre Austauschpartner ins Collège begleiteten. Dort empfing sie Francis Faugeras, der Schulleiter, der sich sichtlich über den ersten deutsch-französischen Schüleraustausch an seiner Schule freute. Umzäuntes Gelände, Surveillants, studentische Aufsichtspersonen, und Kantine, all das, was die deutschen Schüler aus den Lehrbüchern kennen, gibt es auch im Collège Maurois, das in seiner modernen Architektur einem Schiff ähnelt. Die Schüler kommen überwiegend aus der Cité, einer Vorstadtsiedlung, oder aus den Vororten, und folglich leben ihre Familien bisweilen in kleineren Wohnungen und bescheideneren Verhältnissen. Diese Erkenntnisse und ihre Erlebnisse in Limoges haben die Schüler in einem „Journal du séjour“ niedergeschrieben, das sie dann in Deutschland beim Gegenbesuch der französischen Gruppe in Ehingen vom 2. bis 9. April 2001 zusammen mit ihren französischen Freunden fertigstellten. Bei strahlendem Frühlingswetter entdeckten sie die Brauereikunst in Berg, besuchten Blaubeuren (Kloster und Urgeschichtliches Museum), das Daimler-Museum in Stuttgart und die Donaustadt Ulm. Auch Oberbürgermeister Alexander Baumann nahm sich Zeit für die Gruppe aus dem Südwesten Frankreichs. Unterstützt wurden die verantwortlichen Lehrerinnen von der französischen Englischlehrerin Elisabeth Chaminade und Eva Breter, Referendarin für Französisch und Spanisch am Johann-Vanotti-Gymnasium.

 

Und was ist den Franzosen in Ehingen aufgefallen? „Sonnenkollektoren, Kirchen, Wurst zum Frühstück“, haben Tiphaine, Antoine und Erika festgestellt. Und in der Schule haben sie bemerkt, dass es „keine ‚Vie scolaire gibt und man singt, um die Lehrer zu begrüßen“. Beim Abschiedsabend am Freitag, den 9. April 2011, verrieten dann alle Schüler, was sie im zweiwöchigen Sprachaustausch gelernt haben: „Brosser les dents, cygogne, chauffage du sol“, aber auch „Storch, Bodensee und - Holzhackschnitzelheizkraftwerk“, worüber sich Eltern, Französischlehrerinnen und auch der Schulleiter Wolfgang Aleker köstlich amüsierten.                                                     

Gabriele Volgnandt