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Streitschlichter


 

Die Streitschlichter im Schuljahr 2011/12:

 

Schülerinnen und Schüler vermitteln bei Konflikten

 
Seit dem Schuljahr 2007/08 können unsere Schülerinnen und Schüler, die Konflikte miteinander haben, die Streitschlichter des Johann-Vanotti-Gymnasiums aufsuchen.
 
Konfliktlösung im Schulalltag 
Konflikte zwischen Schülern gibt es tagtäglich. Es wird geschubst, gerempelt, Sachen von anderen werden beschädigt, es wird gelästert und ausgegrenzt, um nur einige Beispiele zu nennen. Aus Zeitnot werden viele dieser Konflikte zwischen "Tür und Angel" geregelt. Selten werden befriedigende Lösungen gefunden. Oft wird eine Art "Waffenstillstand" oder nur eine Verlagerung des Konflikts erreicht (z.B. nach der Schule oder andere Personen werden mit in den Konflikt hineingezogen). Häufiger gibt es aber auch Bestrafungen des vermeintlich "Schuldigen". Der Vorfall ist zwar zunächst geregelt, da aber der Konfliktherd aber nicht beseitigt wurde, kann der Streit bei der nächsten Gelegenheit wieder aufflackern. Ein Weg, bessere Konfliktregelungen zu erreichen ist die Streitschlichtung durch Schüler für Schüler.
 
 
Wo und wann erreiche ich die Streitschlichter?
 
Im E-Bau Zimmer 204 findet die Streitschlichtung statt. Hier gibt es auch einen Briefkasten, den man nutzen kann um den Streitschlichtern mitzuteilen, in welcher großen Pause man gerne zu ihnen kommen würde. Am Anfgang jeder großen Pause schauen die Streitschlichter in diesen Briefkasten. Ab der fünften bis zur siebten haben die Klassen Streitschlichterpaten, an die sie sich direkt wenden können. Den Dienstplan findet man im Eingangsbereich im N-Bau.
 
 
Streitschlichtung - Vermittlung in Konfliktfällen durch unparteiische Dritte
 
Streitschlichtung kann dazu beitragen das soziale Klima in der Schule zu verbessern. Streitschlichter vermitteln in Konflikten zwischen Mitschülern mit dem Ziel, eine für beide Seiten akzeptable Konfliktlösung zu finden. Beide Streitparteien erhalten die Möglichkeit, die Situation aus ihrer Sicht darzustellen. Die Streitschlichter wiederholen, fassen zusammen, fragen nach, vermitteln, ergreifen aber niemals Partei oder fällen ein Urteil. Im Laufe der Vermittlung sollen sich die Streitparteien über ihre Interessen, Gefühle und Bedürfnisse, die mit dem Streit in Verbindung stehen, bewusster werden und nach einer fairen und realistischen Lösung für die Zukunft suchen. Die Lösungsmöglichkeit, auf die sie sich letztlich einigen, wird in einem Vertrag schriftlich festgehalten. Das Gespräch findet in einem ruhigen Raum statt, der von den Streitschlichtern gestaltet wurde. Das Gespräch wird vertraulich behandelt, d.h. weder die Streitschlichter noch die Konfliktparteien dürfen das, was im Streitschlichterraum besprochen wurde, anderen Personen berichten. Eine Grundannahme der Vermittlung bzw. Streitschlichtung ist, dass die Beteiligten sich eher an Abmachungen halten, die sie selbst ausgearbeitet haben. Schüler, die einen Konflikt mit Hilfe der Streitschlichter untereinander gelöst haben, können sich wieder begegnen. Keiner hat verloren und niemand muss Gelegenheiten suchen, Rache zu nehmen.
 
Die Streitschlichterausbildung
Alle unsere Streitschlichter haben eine halbjährige Ausbildung. Das Hauptziel in der Streitschlichterausbildung ist es, den Schülerinnen und Schülern Gesprächstechniken sowie die Fähigkeit zur Gesprächsstrukturierung zu vermitteln, das heißt u.a.:
 
·                     ein Gespräch zu moderieren
·                     aufmerksam zuzuhören und das Gesagte zusammenzufassen
·                     beide Seiten gleich zu behandeln (Neutralität)
·                     für sprachliche Fairness zu sorgen (Beleidigungen zu unterbinden)
·                     Methoden der Gesprächsvertiefung kennen zu lernen (Konflikterhellung)
 

Streitschlichterinnen und Streitschlichter lernen wichtige soziale Kompetenzen wie z. B. Toleranz gegenüber Andersdenkenden und einen konstruktiven Umgang mit Konflikten. 

 

Streitschlichter: 15-jährige Schüler gehen dazwischen, wenn’s knallt

 
Am Johann-Vanotti-Gymnasium haben 15-jährige Schüler das Sagen. Wenn sich Fünftklässler streiten. Als Streitschlichter bekommen sie eine halbjährige Ausbildung und ein Zertifikat.
(EHINGEN/ek) Tatort Klassenzimmer: Ein Schüler kritzelt einem anderen die Bank voll. Wieder einmal. Der hat irgendwann die Nase voll, nimmt sein Kaugummi und klebt es dem Schmierfink ins Haar. Schon ist ein heftiger Streit entbrannt.
Ein Fall für den Streitschlichter Konstantin Weiß. "Oft sind es Beleidigungen, relativ nahe am Mobbing", berichtet er. Konstantin spricht aus Erfahrung. Er war im vergangenen Schuljahr Streitschlichter am Johann-Vanotti-Gymnasium. Ins Leben gerufen haben die Streitschlichter die Lehrerinnen Stella Wende und Alexandra Nowack. Aus jeder zehnten Klasse gibt es in der Regel zwei Streitschlichter. Die beiden Lehrerinnen "sichten", unter Neuntklässlern, wer geeignet wäre. Die "Ausgesuchten" werden, wenn sie wollen, ein halbes Jahr lang ausgebildet. Praxisorientiert, mit Rollenspielen, bekommen sie vermittelt, wie Kommunikation funktioniert und wie man nach Kompromissen sucht.
Vor allem bei den Fünftklässlern ist das nötig. Daher hat jede Klasse einen Streitschlichter als Ansprechpartner. Wer ein Problem hat, kann einen Zettel in den Streitschlichter-Briefkasten werfen. Dann wird ein Termin vereinbart, und die Streithähne kommen im Büro der Streitschlichter zusammen. "Dort gibt es sogar Taschentücher und Gummibärchen", erklärt Konstantin Weiß grinsend. Im Büro findet dann meist ein Rollentausch statt, um gegenseitiges Verständnis zu erzeugen. Im Eingangs erwähnten Fall hatte das zur Folge, dass sich der Schmierfink für seine Kritzeleien entschuldigte. Das Problem war damit gelöst.
"Die Streitschlichter sind uns Lehrern eine große Hilfe", erklärt Nowack. Gerade was die "kleineren Fälle" angeht, nehmen die Schüler den Lehrern viel Arbeit ab. Es sei denn, es geht um Drogen, Gewalt oder Diebstahl. Dann sind weiterhin die Lehrer gefragt. Aber auch die Schüler profitieren von dem Projekt. Sie bekommen ein Zertifikat, das sich in jedem Lebenslauf gut macht. Und sie lernen bereits früh, Verantwortung zu übernehmen.
(Erschienen: 06.11.2009 in der Schwäbischen Zeitung)